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Interview mit israelischem Reserveoberst Moshe Elad August 18, 2007

Filed under: Nahostkonflikt,Schweiz — iceman @ 1:07 pm

Reserveoberst Moshe Elad hat sich zu einem Interview mit dem St.Galler Tagblatt bereit erklärt. Natürlich wurden die Fragen Israel kritisch gestellt, um Oberst Elad zu denunzieren, aber das kennt man ja schon zu genüge von der Schweizer Medienwelt.

Die islamistische Hamas wird nach der Verdrängung der Fatah aus dem Gaza-Streifen stärker denn je boykottiert. Der israelische Reserveoberst Moshe Elad sagt, die Hamas wolle die Macht auch im Westjordanland.

Herr Elad, nach Moskau ertönt nun auch aus Rom und London der Ruf, den Dialog mit der Hamas aufzunehmen. War der Boykott von Anfang an ein Fehler?

Moshe Elad: Ganz sicher nicht. Die Hamas hat nichts geändert, weder an ihrer Strategie noch an der Taktik. Israel wird noch immer von Kassam-Raketen bedroht, jeden Tag kommt es zu Zwischenfällen im Grenzgebiet zum Gaza-Streifen.

Werden diese Angriffe denn wirklich von der Hamas lanciert?

Elad: Die Hamas hat die Kontrolle. Es stimmt, dass sich die Terroristen nicht immer ausdrücklich mit der Hamas identifizieren. Die Geschichte der letzten Jahre zeigt jedoch, dass die Attentate entweder in Zusammenarbeit mit dieser Bewegung oder unter ihrem Deckmantel ausgeübt wurden. Entscheidend ist, dass die Hamas im Gaza-Streifen die Verantwortung trägt.

Kassam-Raketen wurden aber auch abgeschossen, als Palästinenserpräsident Mahmud Abbas von der Fatah noch die Kontrolle im Gaza-Streifen hatte. Werden an die Hamas andere Massstäbe angelegt als an die Fatah?

Elad: Die Hamas hat die Angriffe aktiv unterstützt. Die zweite Sache ist, dass die gesamte Welt nach dem Wahlsieg der Hamas vor zwei Jahren sehr klar Verhandlungen und wirtschaftliche Hilfe ablehnte, solange die Hamas nicht ihre Ideologie ändert und die internationalen Bedingungen (Gewaltverzicht, Anerkennung Israels und aller bisherigen Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO) akzeptiert. Das ist nicht passiert.

Es ist richtig, dass sich «de facto» die Hamas derzeit in einer Phase der Beruhigung befindet, was jedoch nicht auf ein ideologisches Umdenken zurückzuführen ist. Die Hamas nutzt die Ruhephase, um sich militärisch neu zu organisieren.

Somit sollte sich Israel den europäischen Politikern, die auf eine Erneuerung des Dialogs mit der Hamas drängen, nicht anschliessen?

Elad: Die Europäer, die gegen den Boykott eintreten, sagen: Die Hamas hat den Gaza-Streifen unter Kontrolle; dort leben 1,3 Millionen Menschen, also müssen wir irgendeine Verbindung herstellen, um humanitäre Katastrophen zu verhindern. Israel kann eine solche Entscheidung nicht mittragen. Ein Ende des Boykotts von israelischer Seite würde die Welt dazu legitimieren, es Israel gleichzutun.

Was hat der Boykott bis heute konkret gebracht?

Elad: Ich glaube nicht, dass man den Boykott an seinem Nutzwert messen sollte. Israel geht es um die Bevölkerung und die Beziehungen zu den Menschen, die im Gaza-Streifen leben. Es hat dort keine Umfragen gegeben, keinen politischen Prozess, sondern einen militärischen Putsch.

Die Hamas hat die Wahlen gewonnen…

Elad: Wenn wir einen Weg finden könnten, die Bevölkerung zu neutralisieren und nicht länger im Kampf der Blöcke zu instrumentalisieren, dann würde Israel das tun.

Im Gaza-Streifen ist die Macht der Hamas eine absolute, deshalb ist es schwer, humanitäre Hilfe an der Hamas vorbeizulancieren. Niemand will die palästinensische Bevölkerung bestrafen. Was möglich ist, wird unternommen, solange die Hamas sich nicht dazwischen stellt.

Die Bevölkerung leidet, die Hamas wendet sich an Teheran um Hilfe und Al Qaida gewinnt im Gaza-Streifen an Boden. Ist der Boykott, pragmatischer betrachtet, nicht eher kontraproduktiv?

Elad: Vergessen Sie nicht, dass die Hamas selbst nicht bereit ist, mit Israel zusammenzuarbeiten. Was sie anbietet, ist eine «Hudna», ein Waffenstillstand.

Warum verweigert sich Israel diesem Vorschlag?

Elad: Wir haben es mit einer Bewegung zu tun, die es darauf anlegt, Israel zu zerstören. Die «Hudna» hat nur den einen Zweck, nämlich den militärischen Kampf vorzubereiten. Abgesehen davon, kann niemand garantieren, dass die Hamas sich an den Waffenstillstand halten wird.

Im Westjordanland hat die Hamas seit fast zwei Jahren nicht eine einzige Kugel abgeschossen. Sollte das nicht das Vertrauen erhöhen?

Elad: Das Westjordanland ist eine andere Geschichte. Dort regiert die Fatah, wobei auch dort noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Die Hamas bereitet systematisch den Putsch im Westjordanland vor und hat durchaus Chancen, wieder zu gewinnen. Die Hamas verfolgt ihre Ideologie viel hartnäckiger und leidenschaftlicher als die Fatah. Was den Kampf entscheiden wird, ist nicht die Anzahl der bewaffneten Männer, sondern die Motivation der Kämpfer.

Vorläufig erledigt die israelische Armee die Arbeit. Das Startzeichen für die Hamas ist der Abzug der Soldaten.

Ist ein Friedensvertrag zwischen Israel und den Palästinensern ohne den Gaza-Streifen möglich?

Elad: Sicher, auch wenn es kein kompletter Vertrag wäre, sondern eine vorübergehende Lösung. Optimal wäre aus israelischer Sicht, wenn es palästinensische Wahlen gäbe, in denen sich die moderaten Kräfte gegen die Hamas durchsetzen würden, wobei das nicht nur die Fatah sein muss. Danach könnte man einen offiziellen Dialog mit der neuen palästinensischen Führung aufnehmen.

Ein Teilvertrag, der den Gaza-Streifen ausschließt, ist eine Zeitbombe. Wir reden über die Hälfte der palästinensischen Bevölkerung, die sich in schwerer Not befindet. Ein Teilvertrag würde Israel weder Sicherheit noch Frieden bringen.

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2 Responses to “Interview mit israelischem Reserveoberst Moshe Elad”

  1. Laura Says:

    Warum hat der israelische Offizier nicht ein paar Statements aus der Hamas-Charta zitiert?
    Wenn man das haßtriefende blutrünstige islamische Gegeifere liest, sind weitere Diskussionen obsolet. „Erst massakrieren wir die Israelis, und dann den Rest der „ungläubigen“ Welt … “ usw.

    » …
    Die Stunde des Gerichtes wird nicht kommen, bevor Muslime nicht die Juden bekämpfen und töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken und jeder Baum und Stein wird sagen: ‚Oh Muslim, oh Diener Allahs, ein Jude ist hinter mir, komm und töte ihn! (Art. 7) «

    Quelle / Fundort:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hamas

    mehr:

    http://www.eussner.net/artikel_2004-04-20_01-26-38.html

  2. iceman80 Says:

    Laura, ich weiss, es ist ein Trauerspiel. Ich verfluche jeden Politiker, der nur ein Wort mit der Hamas wechseln möchte. All diesen Politikern, am meisten meinem lieben italienischen Freund Romano Prodi sollte mal einer die Charta 88, die Du beschrieben hast, vorlegen. Ich versteh voll und ganz deine Haltung. Gruss


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